Referenz · Betonkosmetik

Sichtbeton im Parkhotel. Repariert und aufgewertet.

Treppenhaus und Aufzug im Parkhotel Dresden bestehen aus Beton, der in Holzbrettern geschalt wurde. An Flächen, Kanten und Stößen zeigten sich Ausplattungen, Betonläufer und Verfärbungen. Wir haben diese Stellen repariert, die Brettstruktur nachgebildet und alles im Farbton angeglichen, ohne dass das Treppenhaus seinen Industrielook verliert. Hier siehst du, was dabei passiert ist und wie viel Arbeit darin steckt.

  • Parkhotel Dresden
  • Treppenhaus und Aufzug
  • Holzbrettstruktur erhalten
  • 141 Arbeitsstunden

Von Kai Marienfeld, Sichtbetonspezialist · veröffentlicht am

Vorher: Nahaufnahme: Poren und Ausbrüche in der Betonoberfläche. Nachher: Nahaufnahme der fertigen Oberfläche mit erhaltener Holzmaserung.
Vorher-Nachher-Vergleich: Nahaufnahme: Poren und Ausbrüche in der Betonoberfläche. Nahaufnahme der fertigen Oberfläche mit erhaltener Holzmaserung.

Das Projekt in Zahlen

141Arbeitsstunden
109 m²Untergrund gereinigt
33 kgSpachtel und Retusche
68Fotos und Videos in diesem Beitrag

Die Aufgabe

Was der Beton mitgebracht hat.

Sichtbeton bleibt sichtbar: Jede Fehlstelle, jede Nase und jeder ausgebrochene Rand fällt auf, wenn man ihn nicht behandelt.

Der Auftraggeber wollte ein Treppenhaus, das nach rohem Beton aussieht: Schäden behoben, Brettstruktur vollständig, Farbton passend, nicht zu homogen. Eine Sichtbetonklasse war dafür nicht gefordert.

Poren und Lunker gehören zum Beton. Wir schließen sie nicht, sie bleiben als Eigenschaft der Fläche erhalten. Repariert haben wir, was beschädigt war. Daneben bleibt die Übersicht, was wir vorgefunden haben.

Typische Schäden

Fünf Dinge, die wir hier vorgefunden haben.

  • Flächige Ausplattungen: Ausbrüche in der Holzschalungsstruktur vor dem Füllen.

    Flächige Ausplattungen

    Beim Ausschalen blieb der noch nicht durchgehärtete Beton an den aufgeschraubten Schalbrettern hängen. Sie saugen anders als die Schalung darunter. Zurück blieben Ausbrüche bis etwa 2 cm tief und bis zu einem Meter groß.

  • Ausbrüche an Kanten und Stößen: Ausgebrochene Kante am Übergang von Treppenlauf zu Podest.

    Ausbrüche an Kanten und Stößen

    Wo Läufe auf Podeste treffen oder Schalungsstöße liegen, platzt der Beton gern ab oder franst aus.

  • Betonnasen und Betonläufer: Dunkle Betonlaufspuren an der Wand unterhalb der Decke vor der Reinigung.

    Betonnasen und Betonläufer

    Abgelaufene Zementschlämme oder undichte Fugen bei der Betonage laufen über die darunterliegende fertige Fläche und fressen sich in die Haut ein. Wir entfernen sie schonend, ohne den Beton zu beschädigen.

  • Ausgesandete Schalungsfugen: Ausgesandete Schalungsfuge vor der Grobkosmetik.

    Ausgesandete Schalungsfugen

    An den Brettstößen ist der Zementleim ausgewaschen, die Fuge steht tief und rau.

  • Rostfahnen: Decke am Podest mit Rostfahnen vor der Reinigung.

    Rostfahnen

    Orange bis braune Verfärbungen an Decken und Podesten, die vor der weiteren Bearbeitung entfernt werden müssen.

Wie viel Arbeit steckt drin?

141 Stunden, verteilt auf fünf Schritte.

Je breiter der Streifen, desto mehr Zeit. Ein Tipp öffnet den Schritt mit Bildern und Erklärung.

So entstand das Ergebnis

Schritt für Schritt durch die Baustelle.

Alle Bilder stammen von dieser Baustelle. Ein Tipp vergrößert sie, ein Symbol markiert ein Video.

Schritt 1 · 33 Arbeitsstunden

Erst kommt runter, was nicht fest ist

Zu Beginn zeigte der Beton alles, was bei der Herstellung und danach passiert ist: Lunker und Poren, ausgebrochene Kanten, ausgesandete Schalungsfugen, Laufspuren von Zementschlämme, Staub und Schalungsreste. Bevor ein Spachtel die Wand berührt, kommt alles herunter, was nicht fest haftet, von Hand mit Schaber, Bürste und Schleifgerät.

Das ist die Arbeit, die man am Ende nicht sieht und die am meisten über das Ergebnis entscheidet. Spachtelmasse hält nur auf einem Untergrund, der sauber und tragfähig ist. Jede Wand haben wir deshalb vorher fotografiert, weit und nah, damit sich der Weg später nachvollziehen lässt.

Werkzeug: Schaber, Bürsten, Schleifgerät mit Schleifteller, Handwerkszeug für Kanten.

Der Verlauf

Dieselbe Stelle, Schritt für Schritt.

Wähle eine Stelle und ziehe den Regler von der Ausgangslage bis zum Ergebnis.

Wand im Aufzugsbereich: Ausgangslage. Wand 4: Ausbrüche und Verfärbungen vor dem Füllen.Wand im Aufzugsbereich: Ausgangslage, Streiflicht. Ausgangslage: Holzstruktur-Beton mit Ausbrüchen und Lunkern.Wand im Aufzugsbereich: Fertig. Dieselbe Wand nach Füllen, Strukturieren und Farbangleich.
Ausgangslage

Ein Anschluss, vorher und nachher

Eine Fuge, gefüllt und angeglichen.

Ausgebrochene Fuge mit Schmutzfahne am Übergang von Treppenlauf zu Podest, vor der Bearbeitung.

Vorher

Ausgebrochene Fuge

Ausgebrochene Fuge mit Schmutzfahne am Übergang von Treppenlauf zu Podest, vor der Bearbeitung.

Dieselbe Stelle nach dem Füllen, Spachteln und der Retusche im Farbton.

Nachher

Gefüllt, gespachtelt, retuschiert

Dieselbe Stelle nach dem Füllen, Spachteln und der Retusche im Farbton.

Was verbaut wurde

Material im Überblick.

Verbrauch laut Baustellendokumentation, zusammen rund 33 kg.

  • Grobspachtel15,5 kg
  • Allrounder zum Strukturieren14,8 kg
  • Retusche2,0 kg
  • Feinspachtel0,50 kg
  • Farbkonzentrat0,22 kg

Fazit

Was das Treppenhaus im Parkhotel bleiben sollte

Als wir zum ersten Mal im Treppenhaus des Parkhotels Dresden standen, hatten wir Beton vor uns, der in Holzbrettern geschalt war und an vielen Stellen deutliche Schäden hatte. An den Wänden im Treppenhaus und am Aufzug gab es flächige Ausplattungen, bis etwa zwei Zentimeter tief und bis zu einem Meter groß, an einer Wand zogen sich die Ausbrüche über die komplette Fläche. Kanten waren über die ganze Wandhöhe ausgebrochen, ebenso die Aussparungen für die Aufzugstableaus. An den Brettstößen waren die Schalungsfugen ausgesandet, und über die Flächen waren Betonläufer heruntergelaufen. An den Decken und unter den Treppenpodesten kamen Schalungsreste, Verunreinigungen und Rostfahnen dazu. An der Treppe selbst waren die Übergänge zwischen Lauf und Podest unsauber und ausgebrochen, die Läuferränder und Schalungsfugen abgeplatzt und ausgefranst.

Bei den Ausplattungen und den Betonläufern ist die Ursache klar. Die Ausplattungen sind beim Ausschalen entstanden: Die aufgeschraubten Schalbretter saugen anders als die Schalung darunter, und der noch nicht durchgehärtete Beton wurde an der Oberfläche mit abgezogen. Die Betonläufer kommen von abgelaufener Zementschlämme oder undichten Fugen beim Betonieren. Beides sind Fehler aus der Herstellung, keine Alterserscheinungen.

Eine Sichtbetonklasse war bei diesem Auftrag nicht vereinbart, und darauf kam es dem Auftraggeber auch nicht an. Er wollte, dass die Schäden behoben sind, dass die Struktur der Holzbrettschalung überall wieder vollständig da ist und dass die Farbe passt. Genauso wichtig war ihm, was dabei nicht passieren darf: Das Treppenhaus sollte seinen Industrielook behalten und weiter erkennbar nach Brutalismus aussehen, nach rohem Beton mit Brettstruktur, also weder zu homogen noch auf schick getrimmt.

Für uns heißt das vor allem, an den richtigen Stellen aufzuhören. Poren und Lunker gehören zum Beton, die schließen wir nicht. Die Maserung der Bretter muss an jeder reparierten Stelle weiterlaufen, sonst fällt die Reparatur als glatter Fleck auf. Und die Farbe gleichen wir Stelle für Stelle an den Beton drumherum an, statt die ganze Wand auf einen einzigen Ton zu bringen.

Angefangen haben wir mit dem, was man am Ende nicht sieht: Die Wände im Treppenhaus und am Aufzug haben wir von Hand mit Spachtel, Schaber und Bürsten von Staub und Verschmutzung befreit, damit die Spachtelmasse später überhaupt hält. Danach haben wir die Fehlstellen von oben nach unten mit Grobspachtel gefüllt und nach dem Trocknen mit dem Allrounder die Brettstruktur nachgezogen. Am Aufzug kam direkt im Anschluss ein erster dunkler Farbgang in Trockenpinsel-Technik dazu, damit die Fläche nicht fleckig wird. Erst danach folgte die eigentliche Retusche im Farbton, mehrfach und mit trockener Bürste. Die Unterseiten der Treppenläufe, die Podeste und die Decken haben wir mit dem Langhalsschleifer und Schleifvlies gereinigt, Stöße abgeschlagen und gefräst und die Ränder geschliffen.

Später sind wir für die Treppe noch einmal zurückgekommen: Die Übergänge zwischen Lauf und Podest, die Läuferränder und die Schalungsfugen haben wir erst grob gefüllt und strukturiert und im zweiten Durchgang fein gespachtelt und retuschiert. Bei der Gelegenheit haben wir auch Klebebandreste von der Decke entfernt und die Stellen farblich angeglichen. Insgesamt stecken rund 140 Arbeitsstunden in diesem Auftrag. Der größte Teil davon ging ins Reinigen und ins Füllen und Strukturieren, die Retusche am Ende war vergleichsweise kurz. Sie entscheidet aber, ob eine reparierte Stelle zum Beton drumherum passt.

Am Ende sind die Schäden, die wir vorgefunden haben, behoben, die Struktur der Holzbrettschalung ist an den reparierten Stellen wieder durchgehend da, und der Farbton passt zum umgebenden Beton. Das Treppenhaus sieht weiter nach Beton aus und nicht nach einer frisch gestrichenen Wand. Was du daraus für dein eigenes Projekt mitnehmen kannst, hat aber eine Grenze. Die Stunden gehören zu diesem Schadensbild, mit vielen flächigen Ausplattungen und ausgebrochenen Kanten. Wo weniger kaputt ist, geht es schneller, wo mehr kaputt ist, dauert es länger, und deshalb lässt sich daraus kein fester Preis je Quadratmeter ableiten.

Dazu kommt, dass hier keine Sichtbetonklasse gefordert war. Muss eine Fläche eine bestimmte Klasse erreichen, damit sie abgenommen wird, ist das ein anderes Ziel, und je höher die Klasse, desto mehr Zeit braucht es. Schneller wäre es übrigens gegangen, die Wände einfach flächig zu überziehen. Dann wäre aber die Holzstruktur weg gewesen, und das Treppenhaus wäre genau so glatt und einheitlich geworden, wie der Auftraggeber es nicht haben wollte.

Die Schäden sind behoben, die Holzbrettstruktur ist wieder vollständig und die Farbe passt, und das Treppenhaus ist geblieben, was es sein sollte: Beton im Industrielook, nicht zu glatt und nicht zu schick.

Kurz eingeordnet

  • Grün: Belegt

    • Die vorgefundenen Schäden an Wänden, Kanten und Treppenanschlüssen sind behoben, die Brettstruktur läuft an den reparierten Stellen weiter, der Farbton ist angeglichen.
    • Poren und Lunker sind geblieben, der Industrielook des rohen Betons ist erhalten.
    • Ausplattungen und Betonläufer sind beim Ausschalen und Betonieren entstanden, nicht durch Alter.
    • Jeder Arbeitsschritt und jede Stunde ist in den Bautagebüchern und mit Fotos von der Baustelle festgehalten.
  • Gelb: Nur Richtwert

    • Die rund 140 Arbeitsstunden gelten für dieses Schadensbild und lassen sich nicht als fester Wert auf ein anderes Treppenhaus übertragen.
    • Wie sich die Zeit verteilt, viel Reinigen und Füllen, wenig Retusche, gilt für diese Art von Schäden; bei einem anderen Schadensbild verschiebt sich das.
  • Rot: Geht nicht

    • Wände flächig überziehen oder überstreichen: Die Holzstruktur wäre weg und mit ihr der Industrielook.
    • Poren und Lunker zuspachteln, damit die Wand gleichmäßiger aussieht: Das macht den Beton zu homogen.
    • Aus dieser Referenz eine Sichtbetonklasse, eine feste Frist oder einen Festpreis je Quadratmeter für ein anderes Projekt ableiten.

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Stand: 10. Oktober 2026 · Betonkosmetik · Ausführung rauMKult® Sichtbeton - pure surface art