Merkblatt · Schalbetonoptik auf Gips und Putz

Schalbetonoptik auf Gips- oder Putzuntergrund: Warum es einen Zwischenaufbau braucht

Eine Schalbetonoptik aus zementgebundenem Betonspachtel ist eine dünne, feste Schicht, die sich beim Aushärten zusammenzieht. Liegt sie direkt auf einem weicheren Untergrund wie Gipsputz, Gipsspachtel oder Kalkputz, können die Spannungen daraus die Oberfläche reißen lassen.

Ein Zwischenaufbau aus einem Haftgrund mit Quarzsand, einem eingebetteten Gewebe und einer Lage Grundspachtel nimmt diese Spannungen auf und verteilt sie. In diesem Merkblatt erklären wir, worin sich die beiden Aufbauten unterscheiden, worauf die Regel beruht und wo ihre Grenzen liegen.

Feinmaschiges helles Gewebe liegt als gleichmäßiges Gitter auf einer Trockenbauwand, schräg von der Seite fotografiert, am linken Rand blaues Abklebeband
Das eingebettete Gewebe, hier auf einer Trockenbauwand

Kurz gesagt

Was unterscheidet die beiden Aufbauten? Eine Lage, die Spannung aufnimmt.

Aufbau 1 · direkt

Grundierung, darauf gleich die Schalbetonoptik

  1. Schalbetonoptikzementgebunden und fest, zieht sich beim Aushärten zusammen
  2. Grundierungregelt das Saugen, nimmt aber keinen Zug auf
  3. Gipsputz, Gipsspachtel oder anderer weicher Untergrunddeutlich weicher, der Aufbau darunter ist oft nicht bekannt

Die Spannung aus dem Aushärten wirkt direkt auf den weicheren Untergrund. Das kann gut gehen, es kann aber auch zu Rissen oder zur Ablösung kommen.

Aufbau 2 · entkoppelt

Mit Zwischenaufbau aus Gewebe und Grundspachtel

  1. 3Schalbetonoptikdieselbe Oberfläche wie bei Aufbau 1
  2. 2Grundspachteleine zusätzliche Lage, die das Gewebe ganz überdecktdanach trocknen lassen
  3. 1Haftgrund mit Quarzsand und Gewebenimmt Zug auf und verteilt ihn über die Flächedanach trocknen lassen
  4. Gipsputz, Gipsspachtel oder anderer weicher Untergrundvorher geprüft und trocken

Gewebe und Grundspachtel fangen die Spannung ab, bevor sie den Gips erreicht, und verteilen sie über die Fläche. Das mindert das Rissrisiko deutlich, eine Garantie ist es nicht.

Schematische Darstellung, die Dicken der Lagen sind nicht maßstäblich. Der Zwischenaufbau macht die Wand um wenige Millimeter dicker.

Was in der Wand passiert

Warum kann eine feste Schicht auf Gips reißen? Weil sie beim Aushärten zieht.

Mineralische Schichten halten viel Druck aus, aber nur wenig Zug, nach den Leitlinien der Putzverbände in der Regel nur rund ein Zehntel davon. Wird der Zug größer, als die Schicht aushält, reißt sie.

  1. Schritt 1
    1. Schalbetonoptik
    2. Grundierung
    3. Gipsputz

    Frisch aufgetragen

    Die Schalbetonoptik haftet auf der Grundierung, und eine Spannung gibt es in diesem Moment noch nicht.

  2. Schritt 2
    1. Schalbetonoptik, zieht sich zusammen
    2. Grundierung
    3. Gipsputz

    Beim Aushärten

    Zementgebundene Spachtel schwinden beim Abbinden, die Schicht will sich also zusammenziehen und zieht dabei an ihrem Untergrund.

  3. Schritt 3
    1. Schalbetonoptik mit Riss, Kante gelöst
    2. Grundierung
    3. Gipsputz

    Wenn der Untergrund nachgibt

    Ein weicherer Untergrund hält nicht dagegen, sondern gibt nach. Dann können feine Schwindrisse entstehen, und im ungünstigen Fall löst sich die Schicht an der Grenzfläche. Das muss nicht passieren, es kann aber.

Eine Schalbetonoptik aus zementgebundenem Spachtel ist ein Vielfaches fester als Gipsputz. Je steifer die obere Schicht im Vergleich zum Untergrund ist, desto ungünstiger wird das Verhältnis, denn der weiche Grund kann die Kräfte nicht aufnehmen, die oben beim Aushärten und später bei Temperaturwechseln entstehen.

Dazu kommt, dass die Fläche fugenlos ist. Es gibt keine Fuge, an der sich die Spannung abbauen könnte, und ist ein Riss erst einmal da, lässt er sich nur mit großem Aufwand beheben. Auch Feuchte spielt mit, weil Gips bei Nässe an Festigkeit verliert und sich Gips und Zement bei Feuchtigkeit chemisch nicht gut vertragen, deshalb gehört eine passende Grundierung in jedem Fall dazwischen.

Dass ein Untergrund glatt und sauber ist, heißt nur, dass er eben genug ist. Die Qualitätsstufen Q3 und Q4 beschreiben Ebenheit und Oberflächenbild, aber nicht, ob eine Wand eine feste mineralische Schicht trägt.

Die Fachregel

Gibt es dafür eine Regel? Nach außen nicht fester werden.

Für mineralische Putzsysteme gilt nach den Regeln, die die DIN 18550 und die Leitlinien der Putzverbände wiedergeben, dass die äußere Lage nicht fester sein soll als die Lage darunter, oder beide gleich fest sind. So können die Spannungen aus Schwinden und Temperaturwechseln zwischen den Lagen aufgenommen werden.

Die Leitlinien nennen dazu selbst Ausnahmen. Liegt auf einem weichen Unterputz eine Armierungslage mit Gewebe, gilt die Regel nicht, weil diese Lage die oberen Schichten vom Untergrund entkoppelt, und dünne Oberputze dürfen fester sein, weil sie wegen ihrer geringen Dicke kaum wirksame Spannungen erzeugen.

Eine Schalbetonoptik direkt auf Gips ist deshalb nicht verboten, aber sie ist ein Risiko, und dieses Risiko fangen wir mit der Armierungslage ab.

Quelle: Leitlinien für das Verputzen von Mauerwerk und Beton, 4. Ausgabe, November 2022, Abschnitte 7.2 und 8.5; DIN 18550-1 und -2.

Unser Zwischenaufbau

Wie bauen wir den Zwischenaufbau auf? In drei Lagen.

Bevor die Schalbetonoptik kommt, legen wir zwei Lagen dazwischen, und jede trocknet durch, bevor die nächste folgt. Die Fotos der ersten beiden Lagen stammen von einer Trockenbauwand im Innenraum, das Foto der Schalbetonoptik von einer Betonmauer im Außenbereich. Der Grundspachtel ist hier schwarz eingefärbt, weil darüber eine dunkle Betonoptik folgt und die Fugen dunkel bleiben sollten. Für die Reihenfolge der Lagen spielt die Farbe keine Rolle.

  • Eine behandschuhte Hand rollt mit einer Farbrolle das Gewebe auf einer hohen hellen Wand an, links daneben bereits die helle Fläche, rechts blaues Abklebeband und Schutzfolie

    direkt auf dem geprüften Untergrund

    Haftgrund mit Gewebe

    Zuerst tragen wir eine Grundierung mit Quarzsand auf. Sie regelt das starke Saugen des Gipses, trennt ihn von der zementhaltigen Schicht und bildet eine raue Oberfläche, in die wir ein feinmaschiges, alkalibeständiges Gewebe einbetten, das zum übrigen Aufbau passt. Danach trocknet die Lage durch.

  • Hohe Wand zwischen gelbem Abklebeband nach der Lage Grundspachtel als geschlossene, dunkel eingefärbte Fläche, davor Malervlies auf dem Boden, daneben Trockenbau mit Schutzfolie

    überdeckt das Gewebe ganz

    Grundspachtel

    Darauf ziehen wir eine Lage Grundspachtel, die das Gewebe vollständig überdeckt. Erst wenn es ganz eingebettet ist, kann das Gewebe die Zugkräfte aufnehmen und über die Fläche verteilen, ähnlich wie die Mullbinde unter einem Gipsverband. Auch diese Lage trocknet durch.

  • Mauer mit Fugenraster an einer Außentreppe: Die oberen Felder glänzen unter frisch aufgelegter Schalbetonfolie, die unteren Felder zeigen noch den grauen Grundspachtel

    die sichtbare Oberfläche

    Schalbetonoptik

    Erst jetzt kommt die Schalbetonoptik, die wir einschalen und nach dem Trocknen ausschalen, so wie auf jeder anderen Wand auch.

Vor jeder neuen Lage
  • durchtrocknen lassen
  • Oberfläche prüfen
  • Anschlüsse an Dosen und Zargen beachten

Ehrlich gesagt

Was kann der Zwischenaufbau nicht? Risse aus dem Bauwerk verhindern.

  • Er mindert das Risiko, er garantiert nichts. Das Gewebe fängt Spannungen aus dem Untergrund und aus dem Aushärten ab, eine rissfreie Fläche kann es trotzdem nicht versprechen.
  • Bewegungen des Bauwerks bleiben. Risse, die aus dem Bauwerk selbst kommen, etwa wenn sich eine Decke durchbiegt oder ein tragendes Bauteil arbeitet, verhindert keine Armierungslage.
  • Es geht um zementgebundene Schalbetonoptik. Weiche Spachtel auf Kalk- oder Dispersionsbasis gehen oft mit einer Grundierung direkt auf Gips, und auch Hersteller zementgebundener Spachtel lassen Gipsputz mit einer Grundierung teils zu.
  • Der Untergrund entscheidet. Ist er bekannt, einheitlich und tragfähig, kann auch der direkte Weg gelingen. Liegen dagegen Putz, Vlies und Gipsspachtel übereinander oder kennt niemand den Aufbau genau, ist es ein Mischuntergrund, und für solche Untergründe verlangen auch die Hersteller zementgebundener Spachtel ein eingebettetes Gewebe.

Vor dem ersten Spachtelzug

Was prüfen wir am Untergrund? Was unter der Oberfläche liegt.

Was unter einer glatten Wand liegt, sieht man nicht, deshalb prüfen wir den Untergrund, bevor wir anfangen, und halten die Ergebnisse fest.

  • Wischprobe

    Mit der flachen Hand über die Wand gestrichen zeigt sich, ob Staub haftet oder der Untergrund kreidet.

  • Kratzprobe

    Mit einem harten Gegenstand geritzt sieht man, ob Teile des Untergrunds abplatzen, abblättern oder absanden.

  • Benetzungsprobe

    Ein paar Tropfen Wasser zeigen, wie stark und wie gleichmäßig der Untergrund saugt und ob Trennmittel darauf liegen.

  • Gitterschnitt und Klebeband

    Liegt ein alter Anstrich auf der Wand, schneiden wir ein kleines Gitter ein oder ziehen ein Klebeband ab und sehen, ob er hält.

  • Feuchtemessung

    Gipsputz muss vor dem Beschichten trocken sein, als Richtwert gilt eine Restfeuchte von höchstens etwa einem Masse-Prozent. Bei Zweifeln messen wir nach, das wird gesondert vereinbart.

  • Probefläche mit Abreißprobe

    Bei unbekanntem Aufbau betten wir einen Gewebestreifen zur Hälfte in Mörtel ein und reißen ihn nach etwa einer Woche ab. Reißt das Gewebe aus dem Mörtel und der Rest haftet, trägt der Untergrund, löst sich die ganze Lage, trägt er nicht.

Wenn es anders gewünscht ist

Und wenn ohne Zwischenaufbau beauftragt wird? Dann sagen wir es vorher schriftlich.

Manchmal ist vorgesehen, dass auf eine Grundierung gleich die Schalbetonoptik folgt. Entscheidest du dich nach unserem Hinweis dafür, führen wir das so aus, denn die Entscheidung über die Ausführung liegt beim Auftraggeber.

Vorher weisen wir schriftlich auf das Risiko von Rissen und Ablösungen aus dem Untergrund hin, so wie es bei Fachbetrieben üblich ist, wenn sie Bedenken gegen eine vorgesehene Ausführung haben. Für Risse und Ablösungen, die aus dem Untergrund kommen, können wir dann nicht einstehen, und die Gewährleistung kann in diesem Punkt eingeschränkt sein. Für unsere eigene Arbeit, etwa das Oberflächenbild und die Ausführung, gilt die Gewährleistung wie immer.

Dieses Merkblatt ist ein fachlicher Hinweis und keine Rechtsberatung. Was im Einzelfall gilt, regelt der Vertrag.

Aus unseren Referenzen

Wo sieht man so einen Aufbau? Zum Beispiel an einer Betonmauer.

Fragen und Antworten

Was Bauherren und Architekten zum Untergrund fragen.

Warum reicht nicht eine Grundierung und dann direkt die Schalbetonoptik?

Auf einem festen mineralischen Untergrund kann das reichen. Auf Gips mit unbekanntem Aufbau liegt dagegen eine harte Schicht, die beim Aushärten schwindet, auf einem deutlich weicheren Grund, und das kann zu Rissen oder zur Ablösung führen. Der Zwischenaufbau aus Haftgrund, Gewebe und Grundspachtel nimmt diese Spannungen auf und verteilt sie.

Der Untergrund ist glatt und sauber, reicht das nicht?

Glatt und sauber heißt, dass der Untergrund eben genug für dünne Beschichtungen ist. Die Qualitätsstufen Q3 und Q4 beschreiben Ebenheit und Oberflächenbild, sie sagen aber nichts darüber, ob eine Wand eine harte mineralische Spachtelschicht trägt.

Gibt es dafür eine Regel, oder ist das eure Meinung?

Für mineralische Putzsysteme gilt, dass die äußere Lage nicht fester sein soll als die darunter, es sei denn, eine Armierungslage mit Gewebe entkoppelt die Schichten. So steht es in den Leitlinien der Putzverbände, und für Mischuntergründe verlangen auch Hersteller zementgebundener Designspachtel ein eingespachteltes Gewebe.

Verhindert das Gewebe Risse sicher?

Nein, es mindert das Risiko, das aus dem Untergrund und aus dem Aushärten kommt. Risse aus Bewegungen des Bauwerks, etwa wenn sich eine Decke durchbiegt, kann es nicht verhindern.

Was prüft ihr vor Beginn am Untergrund?

Wir sehen uns die Fläche an und machen eine Wisch-, eine Kratz- und eine Benetzungsprobe. Liegt ein alter Anstrich darauf, prüfen wir ihn mit Klebeband oder Gitterschnitt, und bei Zweifeln messen wir die Feuchte und legen eine Probefläche mit Abreißprobe an.

Die Prüfungen im Einzelnen

Was passiert, wenn wir trotzdem ohne Zwischenaufbau beauftragen?

Dann führen wir nach eurer Vorgabe aus und weisen vorher schriftlich auf das Risiko hin. Für Risse und Ablösungen, die aus dem Untergrund kommen, können wir dann nicht einstehen, für unsere eigene Arbeit gilt die Gewährleistung wie immer. Das ist ein fachlicher Hinweis und keine Rechtsberatung.

Wenn ohne Zwischenaufbau beauftragt wird

Geht Schalbetonoptik auch draußen auf Gipsputz?

Nein, denn Gipsputz ist für Innenräume gedacht und verliert bei Durchfeuchtung an Festigkeit. Im geschützten Außenbereich braucht es einen mineralischen Untergrund wie Beton oder Kalkzementputz und einen Aufbau für draußen, zu dem bei uns immer eine Imprägnierung gehört.

Merkblatt: imprägnieren oder versiegeln

Muss der Gipsputz vorher ganz trocken sein?

Ja. Vor dem Beschichten gilt für Gipsputz als Richtwert eine Restfeuchte von höchstens etwa einem Masse-Prozent, gemessen mit der CM-Methode.

Spielt ein Vlies im Untergrund eine Rolle?

Ja, denn jede zusätzliche Schicht muss fest haften. Ob Vlies und Gipsspachtel eine harte Spachtelschicht tragen, zeigt nur eine Probe am Objekt, deshalb legen wir in solchen Fällen eine Probefläche mit Abreißprobe an.

Warum eine Grundierung mit Quarzsand?

Sie regelt das starke Saugen des Gipses und bildet eine raue Haftschicht, in die Gewebe und Spachtel greifen. Zugleich trennt sie den Gips von der zementhaltigen Schicht, weil sich beide bei Feuchtigkeit chemisch nicht gut vertragen.

Wird die Wand durch den Zwischenaufbau dicker?

Ja, um wenige Millimeter für Haftgrund, Gewebe und eine Lage Grundspachtel. An Anschlüssen wie Steckdosen, Schaltern und Türzargen planen wir das von Anfang an mit ein.

Gilt das für jede Betonoptik?

Nein. Weiche Betonoptik-Spachtel auf Kalk- oder Dispersionsbasis gehen oft mit einer Grundierung direkt auf Gips. Es betrifft mineralische, zementgebundene Spachtel mit hoher Festigkeit, wie den Betonspachtel, mit dem wir Schalbetonoptik gestalten.

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